Keine leichte Sehnsucht: Jüdische Schriftstellerinnen treffen auf Künstler:innen

Obere Reihe, von links nach rechts:

Linda Rachel Sabiers © privat | Anna Nero © Eda Temucin | Katharina Höftmann Ciobotaru © Kat Kaufmann | Alexander Iskin © Julija Goyd

Untere Reihe, von links nach rechts:

Mirna Funk © Amira Fritz | Dana Yoeli © Roni Cnaani | Alona Harpaz © Katja Harbi | Lana Lux © Joachim Gerne

 

Ausstellungseröffnung und Panel: 22. Oktober 2021, 19:30 Uhr

mit den beteiligten Schriftstellerinnen und Künstler:innen

Moderation: Dr. Nora Pester

Galerie Spinnerei archiv massiv, Spinnereistraße 7, 04179 Leipzig

Ausstellungsdauer: 23. Oktober bis 12. November 2021

Voraussetzung für die Teilnahme an der Veranstaltung ist die 3G-Regel laut der aktuellen Sächsischen Corona-Schutz-Verordnung.

Anmeldung unter info@netzwerk-juedisches-leben.org oder Tel. 0341/581 55 898

  

Für viele deutsche Juden ist Israel ein Sehnsuchtsort, für viele jüdische Israelis ist Deutschland das ebenfalls, weil sie dort familiäre Wurzeln haben und dadurch eine besondere Anziehung zum Land spüren. Was macht diese Sehnsucht aus und was die Anziehung und Geschichte, die sich darin verbergen? Und wie fließen diese komplexen Gefühle in die Kunst ein?

 

Wir bringen vier jüdische Künstler:innen und Schriftstellerinnen zusammen, die diese „keine leichte Sehnsucht“ erkunden. Was bedeutet es, jüdisch und deutsch zu sein, israelisch und in Deutschland zu leben oder sich mit dem Land verbunden zu fühlen? Kann man in einem solchen Leben jemals ganz irgendwo sein? Dazu gehören? Oder gehört dann nur die Sehnsucht einfach immer dazu? Die Künstler:innen und Schriftstellerinnen haben sich über ihre Sehnsüchte, die mit dem Leben im Spagat einhergehen, ausgetauscht. Die Werke der Künstler:innen haben die Schriftstellerinnen zu Geschichten inspiriert, die vor allem davon erzählen, was es heißt, ein Leben in Sehnsucht zu führen. Die so entstandenen Texte und die Objekte präsentieren wir in einer Ausstellung in der Leipziger Spinnerei.

 

Zur Ausstellungseröffnung findet ein Panel statt, auf dem sich die teilnehmenden Künstler:innen und Schriftstellerinnen über ihre Ansätze und Gedanken zum Judentum und Deutschland austauschen. Die Ausstellung wird begleitet von einem Booklet, in dem sowohl die Texte als auch die Kunstwerke zu finden sind und das bei der Ausstellungseröffnung erhältlich sein wird.

 

Künstler:innen: Anna Nero, Alexander Iskin, Dana Yoeli, Alona Harpaz

Schriftstellerinnen: Linda Rachel Sabiers, Katharina Höftmann Ciobotaru, Mirna Funk, Lana Lux

Projektleitung: Katharina Höftmann Ciobotaru

 

 

Über die Künstler:innen und Schriftstellerinnen

 

Mirna Funk, geboren 1981 in Ost-Berlin, lebt zwischen Berlin und Tel Aviv. Sie studierte Philosophie an der Humboldt-Universität und arbeitet als Journalistin und Autorin. 2015 erschien ihr Roman „Winternähe“ im S. Fischer Verlag. Er wurde mit dem Uwe-Johnson-Preis für das beste Debüt der letzten zwei Jahre ausgezeichnet und war für den Aspekte-, Klaus-Kühne- und Ulla-Hahn-Preis nominiert. Im Februar 2021 erschien ihr zweiter Roman „Zwischen Du und Ich“ bei dtv. In ihren literarischen Werken, essayistischen und journalistischen Arbeiten sowie kuratorischen Projekten geht Mirna Funk den Fragen nach der Präsenz jüdischer Kultur in Deutschland heute und einer gegenwartsorientierten Erinnerungskultur nach. Seit 2018 erscheint monatlich ihre Kolumne „Jüdisch heute“ in der deutschen Vogue.

 

Alona Harpaz, geboren 1971, ist eine in Berlin lebende Malerin, die aus Tel Aviv stammt. Sie machte ihren Abschluss an der Bezalel Academy of Arts and Design in Jerusalem, Israel, und studierte später am International Center of Photography in New York. Sie erwarb ihren Bachelor-Abschluss an der Hamidrasha, dem Arts Teacher's Training College in Ramat Hasharon, Israel. Seit den späten 1990ern arbeitet Harpaz hauptsächlich mit Malerei, aber ihre Praxis erstreckt sich auch auf Installationen und Videoarbeiten.

 

Katharina Höftmann Ciobotaru, geboren 1984 in Rostock, studierte Psychologie und deutsch-jüdische Geschichte in Berlin. Sie arbeitet als Schriftstellerin und freie Journalistin, u.a. für Die Welt, Berliner Zeitung und taz. Sie hat bereits mehrere Kriminalromane und Sachbücher veröffentlicht, darunter „Guten Morgen, Tel Aviv!“ und den Spiegel-Bestseller „Unfuck The Economy“. 2021 kam im Ecco-Verlag ihr erster literarischer Roman, „Alef“, heraus. Höftmann Ciobotaru lebt mit ihrer Familie in Tel Aviv. 

 

Alexander Iskin, geboren 1990 in Moskau, lebt in Berlin. Er arbeitet malerisch, skulptural, performativ, literarisch und filmisch an einer multimedialen Narration. Dabei nutzt er die Malerei als „Muttersprache“. Iskin thematisiert die wechselseitige Beziehung zwischen digitalen und analogen Prozessen. Dazu rief er eine neue Kunstrichtung aus: den Interrealismus. Seit Jahren arbeitet er daran, neue interrealistische Formationen zu kreieren. 

 

Lana Lux, geboren 1986 in Dnipropetrowsk/Ukraine, wanderte im Alter von zehn Jahren mit ihren Eltern als Kontingentflüchtling nach Deutschland aus. Sie studierte zunächst Ernährungswissenschaften in Mönchengladbach. Später absolvierte sie eine Schauspielausbildung am Michael Tschechow Studio in Berlin. Seit 2010 lebt und arbeitet sie als Schauspielerin und Autorin in Berlin. 2017 erschien ihr vielbeachtetes Debüt „Kukolka“, das in mehrere Sprachen übersetzt wurde, 2020 ihr neuer Roman „Jägerin und Sammlerin“.

 

Anna Nero, geboren 1988 in Moskau, kam 1995 als Kontingentflüchtling mit ihrer Familie nach Frankfurt am Main. Sie absolvierte die Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig und machte einen Meisterschülerabschluss bei Heribert C. Ottersbach. Ihr Kosmos, den man auch als Farbfeldmalerei bezeichnen kann, bewegt sich zwischen Figur und Abstraktion. Die Beziehung zwischen Menschen und Objekten sieht sie als einen Ursprung der Kunst. Die Künstlerin wird von Galerien in Berlin, Frankfurt am Main und Köln vertreten. Sie ist Lehrbeauftragte an der Kunsthochschule Mainz.

 

Linda Rachel Sabiers lebt als Autorin seit 2009 in Berlin. Die in Köln aufgewachsene Tochter einer israelischen Mutter und eines deutschen Vaters beschreibt ihre Wahlheimat als unerschöpfliche Inspirationsquelle und urbanen Schauplatz des Lebens. Sie schreibt u.a. für den Tagesspiegel, hat eine Kolumne über ihr deutsch-jüdisches Leben für das SZ-Magazin verfasst und in mehreren Anthologien mitgewirkt.

 

Dana Yoeli, geboren 1979 in Seattle, studierte Bildende Kunst an der Bezalel Academy of Arts and Design in Jerusalem und ist eine in Tel Aviv ansässige multidisziplinäre Künstlerin, deren Praxis sich auf eine breite Palette von Medien stützt, inklusive groß angelegter Installationen, Videoarbeiten, Fotografien, Zeichnungen und Skulpturen. Ihre Arbeit konzentriert sich in erster Linie auf die Spannung zwischen der persönlichen Geschichte und einem kollektiven Ethos sowie auf die Rolle, die Nostalgie, Erinnerung und Gedenkfeiern in diesen Beziehungen spielen. Ihre Kunstwerke werden in führenden Museen und Galerien in Israel und Europa ausgestellt.

 

 

Rückfragehinweis

Dr. Nora Pester

info@netzwerk-juedisches-leben.org

 

 

Ein Projekt von Netzwerk Jüdisches Leben e.V. 

Gefördert durch #2021JLID – Jüdisches Leben in Deutschland e.V. aus Mitteln des Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat

Mit Unterstützung des Referats Internationale Zusammenarbeit der Stadt Leipzig