Tag 14: Louise Ariowitsch | Ariowitsch-Haus

PAST

 

Louise Ariowitsch (1856 –1939) war die Stifterin einer Synagoge und eines Altersheims in Leipzig.

Die Tochter des Pelzhändlers Mendel Hepner kam 1871 mit ihrem Vater und ihrer Stiefmutter nach Leipzig. 1877 heiratete sie den Pelzhändler Julius Ariowitsch. Nach der Geburt ihres zweiten Kindes, 1880, bemühten sich die russischen Staatsangehörigen Ariowitsch – erfolglos – um die Einbürgerung in Sachsen. 1893 erhielten sie jedoch die österreichische Staatsangehörigkeit. Nach dem Ersten Weltkrieg musste Louise Ariowitsch die polnische Staatsbürgerschaft annehmen, um nicht staatenlos zu werden.

Das Ehepaar Ariowitsch führte ein traditionell religiöses Familienleben. Nach dem Tod von Julius Ariowitsch 1908 übernahmen Sohn Max und Schwiegersohn Hermann Halberstam das Familienunternehmen, das mittlerweile zu den erfolgreichsten Großhandelsfirmen im Rauchwarenhandel gehörte.

1915 erwarb Louise Ariowitsch das Grundstück Färberstraße 11 und ließ das hintere Gebäude zu einer Synagoge umbauen. Als Bet- und Lehrhaus war die Bet-Jehuda-Synagoge auch der Erinnerung an ihren verstorbenen Mann gewidmet.

1928 erwarb Louise Ariowitsch unweit ihres Wohnhauses das Grundstück Auenstraße 14 (heute Hinrichsenstraße 14) zu Errichtung eines Altersheims. Am 17. Mai 1931 fand die Einweihung des „Ariowitsch-Heims“ statt.

Im November 1937 musste Louise Ariowitsch zu ihrer Tochter nach Paris emigrieren, wo sie am 19. Juli 1939 verstarb.

Während der Novemberpogrome 1938 wurde die Beth-Jehuda-Synagoge zerstört. Das Altersheim musste hingegen immer mehr ältere Jüdinnen und Juden aufnehmen. Sie alle wurden im September 1942 in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert.

Nach 1945 betrieb die Stadt Leipzig das ehemalige „Ariowitsch-Heim“ bis Mitte der 1990er-Jahre als Alters- und Pflegeheim weiter. Im Mai 2009 wurde darin nach umfangreichen Bau- und Sanierungsmaßnahmen das jüdische Kultur- und Begegnungszentrum „Ariowitsch-Haus“ eröffnet.

 

Siehe: Leipziger Frauenporträts

 

 

PRESENT

 

Zentrum Jüdischer Kultur – Ariowitsch-Haus e. V.

Das Ariowitsch-Haus ist ein bunter Mittelpunkt im Leben seiner Nachbarn, der jüdischen Gemeinde, aller LeipzigerInnen und Gästen der Stadt. Hier finden Konzerte, Lesungen, Ausstellungen, Vorträge, Seminare und das gemeinsame Feiern traditioneller jüdischer Feste statt.

Der Verein bemüht sich um Aufklärung und Prävention gegen Antisemitismus und Rassismus und um die Förderung der gesellschaftlichen Toleranz. Als Begegnungszentrum bietet es Tanz-, Mal- und Zeichenkurse, Schach, Theater-, Literatur-, Sprach- und Computerkurse an – für alle unabhängig von Alter, Herkunft, Religion und Kultur.

 

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Bild: Louise-Ariowitsch-Gedenkmünze, © Deutsche Nationalbibliothek
Bild: Louise-Ariowitsch-Gedenkmünze, © Deutsche Nationalbibliothek